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Energieagentur – Nein Danke!?

“Nein Danke!” sagte der Künzelsauer Gemeinderat zu einer Beteiligung im Volumen von 1000 Euro an der neu zu gründenden Energieagentur Hohenlohe. Genauer gesagt wären die 1000 Euro ein Gesellschaftsanteil an der neuen gemeinnützigen GmbH gewesen, die die Energieagentur betreiben soll. Neben dem “Nein” von Künzelsau ist jedoch auch festzustellen, dass sich die Gemeinden Ingelfingen, Krautheim, Kupferzell und Weißbach ebenfalls nicht an der Agentur beteiligen wollen – trotz der Tatsache, dass, wie aus nachfolgender Grafik ersichtlich, bereits nahezu ganz Baden-Württemberg über ein regionales Energieagenturennetz verfügt.

Grund genug für die Künzelsauer Rundschau, einmal nachzufragen, was es eigentlich genau mit der Agentur auf sich hat. Denn weder die lokalen Printmedien noch der Rat der Stadt scheinen das Konzept nachvollziehen zu können.

Freundlicherweise stellten sich der “Vater” der regionalen Energieagentur, der Dezernent beim Landratsamt für den ländlichen Raum, das Forstamt und das Vermessungsamt, Herr Dr. Wolfgang Eißen zusammen mit dem designierten Geschäftsführer der Energieagentur, Herrn Ralph Specht, für ein informatives Gespräch zur Verfügung.

Vorgegeben war die zusammenfassende These der Mehrheit des Geminderates der Stadt Künzelsau, dass die Energieberatung in die Hände von Privaten gehöre und keine öffentliche Aufgabe sein soll.

Hierzu erklärte Herr Dr.Eißen, dass die regionalen Energieagenturen politisch gewollt seien. Er verweist auf die Anzahl der bereits gegründeten Agenturen und die nicht unerhebliche Anschubfinanzierung, in Höhe von 100 000Euro, die seitens des Landes Baden-Württemberg gewährt wird.

Die Energieagentur soll hierbei keinesfalls in Konkurrenz zu bestehenden Engergieberatern treten, sondern sie will diese vielmehr integrieren. Man habe das so genannte “Partnermodell” gewählt, bei welchem Handwerksbetriebe und Beraterunternehmen als Sponsoren auftreten sollen. Die Gegenleistung der Agentur sei es dann zum Einen aktiv für die Sponsoren Werbung zu machen und ihnen zum Anderen anlässlich von eigenen Beratungen Aufträge zu verschaffen, deren Bedarf sich anlässlich der Beratungen ergibt.

Herr Dr.Eißen hob hervor, dass sich der Kreistag mit 38 zu 4 Stimmen für die Errichtung der Energieagentur ausgesprochen hat. Deshalb komme das  Desinteresse und der Widerspruch aus den Gemeinden relativ überraschend für ihn.

Der designierte Geschäftsführer, Ralph Specht gesteht zu, dass man im Vorfeld wohl nicht ausreichend über Sinn, Zweck und Aufgabenfeld der Agentur informiert habe.

Die Agentur soll zunächst kommunikativ tätig sein und über die derzeit bestehenden Möglichkeiten informieren. Hierzu sollen in allen Rathäusern der Gesellschafter der gGmbH regelmäßige Informationstage abgehalten werden. Man habe nämlich die Erfahrung gemacht, dass die aktuellen Fördermöglichkeiten der Energieberatung durch Bund und Land viel zu wenig bekannt seien. Man trete daher nicht in Konkurrenz zu den bestehenden Förderprogrammen, sondern vermittle diese quasi den Ratsuchenden.

Wichtig sei hierbei auch, dass sich die Energieagentur nicht auf die Beratung von Privathaushalten beschränke. Sie soll vielmehr auch für Kommunen und Gewerbebetriebe zuständig sein.

Ob die Energieagentur selbst Gutachen für gewisse Objekte erstellen wird, ist noch nicht klar. In der Lage hierzu wäre die Agentur allemal, nachdem der designierte Geschäftsführer von Beruf Versorgungstechnikingenieur ist und bei der Reinhold-Würth-Hochschule im Bereich Energiemanagement einen Lehrauftrag für “Wärme- und Kältetechnik” hat.

In diesem Bereich erwartet die Agentur dann auch Synergieeffekte. So könnten Studenten der Hochschule bei der Agentur Praktika absolvieren. Auf der anderen Seite könnten bei/oder mit der Hochschule  Projekte durchgeführt werden, die der Arbeit der Agentur dienlich sein können.

Weitere Synergieeffekte erwartet Herr Dr.Eißen mit der Bioregion Hohenlohe-Odenwald-Tauber, einem Regionalentwicklungskonzept für gemeinsames Energiemanagement:

http://www.bioenergie-regionen.de/fileadmin/bioenergie-regionen/dateien/regionen/REK-Hohenlohe-Odenwald-Tauber.pdf

Der konkrete Vorteil der Gemeinden selbst lägte laut Dr.Eißen darin, dass sie Zugriff auf einen unabhängigen, kompetenten Berater hätten. Weiter nachgehakt deutete Herr Dr.Eißen an, dass es sich von selbst verstehe, dass die Beratungstarife für die Gesellschaftergemeinden rabattiert werden- dies läge “in der Natur der Sache”. Auch  die Sprechtage in den Rathäusern brächten den ortsansässigen Handwerkern Aufträge, weil ein Defizit im Bestand in der Regel die Erforderlichkeit einer baulichen Maßnahme nach sich ziehe. Diese Aufträge gingen dann an die regionale Handwerkerschaft.

Eine Nachschusspflicht sieht im Übrigen der Gesellschaftsvertrag nicht vor, sodass sich die Gesellschafter-Gemeinden diesbezüglich keine Sorgen machen müssten. Mit den Landesmitteln seien die ersten drei Jahre der Agentur in jedem Fall finanziert. Nachdem sich jedoch auch schon Sponsoren gemeldet haben, welche anlässlich der Kreistagssitzung vom 14.März diesen Jahres vorgestellt werden sollen, legt sich Herr Dr.Eißen fest, dass die Kosten der Agentur für fünf Jahre gesichert sind.

 

Beipielthermografie der Energieagentur Graz

In welche Richtung sich das ganze Konzept entwickeln wird, liegt tatsächlich an der Arbeit des desigierten Geschäftsführers. Die Energieagentur des Landkreises Esslingen hat sich bereits durch unabhängige gebäude- und nutzerspezifische Beratung einen guten Ruf erarbeitet, wobei es ihr auch gelang nach ausgelaufener Anschubfinanzierung den Weiterbestand durch die eigene erfolgreiche Geschäftstätigkeit zu sichern. (http://www.esslinger-zeitung.de/lokal/esslingen/kreisesslingen/Artikel658817.cfm)

Ralph Specht machte für mich hinsichtlich seiner Motivation und Kompetenz den Eindruck, dass ihm innerhalb von fünf Jahren ein wirtschaftliches Arbeiten und eine Selbsfinanzierung der Agentur gelingen könnten.

Fest steht:

1. Die Errichtung der Agentur wurde vom Kreistag mit großer Mehrheit beschlossen.

2. Sie ist politisch gewollt. Die Umweltministerin Tanja Gönner ist, soweit es ihr dienstlich möglich ist bei vielen Startschüssen der Energieagenturen vor Ort.

3. Die 100000 Euro Anschubfinanzierung und die  daraus resultierende Tätigkeit des Herrn Specht werden einen nicht unerhelblichen Wirtschaftsfaktor darstellen.

 4. Sprechstunden wird die Agentur in den Rathäusern der Gesellschaftergemeinden abhalten.

5. Dort werden Folgeaufträge, die aus den Beratungen resultieren, vermittelt.

6. Für die Gesellschafterkommunen ist angedacht, die Beratung zu vergünstigten Konditionen anzubieten.

Mögen die vorgenannten Vorteile gering erscheinen, so meine ich dass die wirtschaftlichen und umweltpolitischen Chancen , die in der Agentur stecken für 200 Euro pro Jahr nicht zu teuer eingekauft wären.

Herrn Dr.Eißen und Herrn Specht sei an dieser Stelle für ihre informativen Ausführungen gedankt.