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Die Rückkehr der Kittelschürzen

 

 

Am Donnerstag kehrten nach langem Darben der Kundschaft der besonderen Marktmode die Kittelschürzen wieder zurück. Man hat den Eindruck, dass das Angebot des Matthiasmarktes im Vergleich zum letzten Simon und Judäa Markt noch reichhaltiger und vielfältiger war.

Jedenfalls wurde Künzelsau seiner wirtschaftlichen Stellung als Mittelzentrum absolut gerecht und konnte eine große Menge an Kunden aus Stadt und Umland an diesem traditionsreichen Markttag begrüßen.

Wieder schien nahezu jede der meist ordentlich präsentierten Waren ein absolutes Schnäppchen zu sein.

Manch ein Modehändler betrachtet dieses Geschehen mit gemischten Gefühlen. Eine Konkurrenz stellt dieses besondere Warensegment wohl nicht dar. Das Produktniveau findet der Ein – oder Andere jedoch ein wenig negativ beeinträchtigt, auch wenn auf dem Markt doch mit außerordentlicher Qualität geworben wird.

Wenn Bilanz gezogen wird, sind die Künzelsauer Einzelhändler jedoch wohl insgeamt auf ihre Kosten gekommen. Denn wer von Außerhalb zum Markttag reist, der erledigt auch sonstige Besorgungen, die nicht an den Marktständen getätigt werden können, gleich mit.

Von Margarethe zu Matthias:
Künzelsau ist einer der ältesten Marktstandorte der Region. Schon um 1390 soll Kaiser Wenzel dem Marktflecken das frühere Recht bestätigt haben. Somit wäre der Künzelsauer Markt sogar wesentlich älter als der auf der Muswiese, hat Stadtarchivar Stefan Kraut festgestellt. Am 24. Februar kommen wieder viele Menschen zum nächsten Matthiasmarkt. Der Termin 24. Februar, ist noch relativ “jung”. Einst war der Tag der Heiligen Margaretha, der 20. Juli, der Markttag. Es war ein ungünstig gewählter Termin, mitten im arbeitsreichen Sommer. Und so wundert es nicht, dass dieser Markt oft ausgefallen ist, bis er länger ruhte. 1643 erinnerte man sich wohl noch dunkel an einen dritten Markt (neben dem Johannes- und dem Simon-Judä-Krämermarkt). Es wurde in der Sakristei der Kirche – dem damaligen Archiv – recherchiert und gefunden, dass Künzelsau tatsächlich das Privileg für drei Jahrmärkte besaß. Die Ganerben beschlossen daher, diesen Markt sofort wiederzubeleben.

So ist damals nach jahrelangen Verhandlungen im Jahre 1661 erreicht worden, dass der Margarethen-Markt auf den Tag des Heiligen Matthias verlegt wurde. Die Künzelsauer Verwaltung erkundigte sich seinerzeit in der Umgebung, ob dem konkurrierende Märkte entgegenstehen würden. Dem war offenbar nicht so, seither hat sich dieser Markt etabliert.

“Kampfpräsentation” der Marktschuhe

Der Termin des Datumswechsels steht noch nicht ganz exakt fest. In der Stadtrechnung von 1660 ist noch der Margarethen-Markt erwähnt; in der nächsten erhalten gebliebenen von 1663 erscheint der Matthiasmarkt. Weitere Forschungen zum Marktwesen, die irgendwann im Stadtmuseum gezeigt werden sollen, werden hoffentlich Klarheit verschaffen.

Stadtarchivar Stefan Kraut vermutet, der Name “Maddäslich” für die Künzelsauer sei auf diesen Markt zurückzuführen. Es ist einer der frühesten Märkte im Jahr, gerade richtig, um nach einem langen Winter wieder die Fühler auszustrecken. Denn der Maddeis brichts Eis, wie es im Volksmund heißt.

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