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STUTTGART 21 – Gegner und Befürworter sind nahe beieinander

Am Samstag, den 23.Oktober trafen in Stuttgart erstmalig Pro “Stuttgart 21″- Demonstranten und “Stuttgart 21″- Gegner aufeinander. Beide Gruppen hatten sich klar gekennzeichnet. Die Gegner wollen “Oben Bleiben”.

Die Stuttgart 21 Befürworter reagierten mit dem Button “Oben ohne”.

Die Teilnehmer an der Kundgebung der Befürworter waren von der Anzahl her eine recht stattliche Menge. Der kleine Schlossplatz und ein größerer Teil der Königstraße war mit Demonstranten und Sympathisanten übersäht.

Befürworter am kleinen Schoßplatz

Später marschierte dann eine Gruppe der Projektgegner auf die Befürworterkundgebung zu und versuchte diese mit Trillerpfeifen zu stören, was jedoch nicht gelang, weil durch die Lautsprecheranlage die Worte des Bahnchefs Grube doch noch recht deutlich zu hören waren. Nach kurzer Zeit hatte sich dann eine homogene Masse gebildet, die sich nur durch ihre äußere Kennzeichnung teilweise unterschied. Die Auseinandersetzung fand äußerst friedlich statt, wobei sich nach dem Ende der Kundgebung Gruppen von Befürwortern und Gegnern bildeten, die miteinader diskutierten.

Kundgebung in Richtung altes Schloss

Auf obigem Bild ist zu sehen, wie nahe sogar die Infostände von Gegnern und Befürwortern beieinander waren. Ein Stand der “Grünen” befand sich gegenüber der Kundgebungsbühne. Von dort aus erklärte dann auch der ehemalige Ministerpräsident Erwin Teufel, wie er durch die Lande und von Gremium zu Gremium reiste um die Zustimmungen für vergangene, aber auch das aktuelle Projekt zu erhalten. Er erinnerte sich an den historischen Protest gegen die Startbahnerweiterung des Flughafens, die damals notwendig war, weil kaum ein Pilot Stuttgart aufgrund der zu kurzen Startbahn mehr anfliegen wollte. Bei diesem Projekt weit geringeren Umfangs, so Teufel, sei die Protestbewegung sehr viel größer gewesen, als die Bewegung, die sich heute gegen Stuttgart 21 wende.

Bei der Kundgebung und Demonstration war auch der Landtagskanditat der CDU für den Landkreis Hohenlohe mit in vorderster Reihe. Zuvor konnte Arnulf Freiherr von Eyb schon im Fernsehen (KIKA-Nachrichten) beobachtet werden, wie er sich über die Vorgänge im Schloßpark informierte.

Arnulf Freiherr von Eyb gegenüber Bahnchef Grube

Tatsächlich darf festgestellt werden, dass die Auseindandersetzung zwischen Gegenern und Befürwortern sehr zivilisiert ablief und man letzlich aus meiner Sicht den Gegnern zubilligen muss, dass sich eine demokratische Legitimation für das Vorhaben angesichts der explodierten Kosten wohl nicht herleiten lässt. Die meisten Gremien, die das Vorhaben abgesegnet haben gingen bei iherer Zustimmung von den ursprünglich avisierten Kosten von ca.2,6 Milliarden Euro aus. Ob es auch eine Zustimmung für die doppelte Summe gegeben hätte ist fraglich. Meines Erachtens müssen hier die für die Kostensteigerung verantwortlichen Planer, politischen Verantwortungsträger und Firmen in die Pflicht genommen werden, einerseits die Mehrsummen zu kompensieren und andererseits die politischen Konsequenzen aus ihrem diesbezüglichen Versagen zu ziehen.

Nach den geleisteten Vorarbeiten, wenn auch auch die Banntmachung des Projektes hinterherhinkte, muss  zu guter Letzt gesagt werden, dass man es jetzt halt “vollends” durchführen soll und die gemachten Fehler den Entscheidungsträgern eine Mahnung sein sollen. Denn die Vorteile des Projektes sind nicht von der Hand zu weisen.

Mir selbst war zum Beispiel neu, dass nach Fertigstellung des Projektes der Schloßpark um eine Grünfläche erweitert wird, die zirka 30 Fußballfeldern entspricht, ganz zu schweigen von den  weiteren Nutzflächen, die für die Gewerbe- und Wohnbebauung entstehen. Auch die entstehenden Arbeitsplätze und zukunftsweisenden Schienenverbindungen machen das Projekt zu einem Wirtschafts- und Verkehrsmotor für die ganze Region.

Die Historie des Projekes ist in dem dazugehörigen WIKIPEDIA-Artikel sehr gut zusammengefasst.

http://de.wikipedia.org/wiki/Stuttgart_21

Aus der Versiongeschichte des Artikels erfährt man, dass dieser seit 2004 aktualisiert wird. Spätestens seit diesem Jahr stand zumindest einem jeden Internetnutzer eine Vielzahl von Informationen zu dem Projekt Stuttgart 21 zur Verfügung. Deshalb können sich meines Erachtens die Netzuser nicht auf ein Informationsdefizit berufen und deshalb erst ausgerechnet bei Baubeginn gegen das Projekt mobil machen.

Der Verfasser hat sich selbstverständlich auch im Schlosspark informiert und wurde trotz des Landesfähnchens in der Hand nicht mit irgendwelchen Missfallensäußerungen der Gegner bedacht:  Sehr ordentlich!

Peter Koblenz im Schloßpark